Gedicht 2017: Bretagne

Hin und wieder ist es wichtig,
- ja, wir sehen das ganz richtig –
dass mit Christel und dem Bus
wieder mal gereist sein muss.
Aus der Heimat Allemagne
geht es westwärts, Ziel: Bretagne,
früher mal Armorika
wurd’s zu Klein-Britannia.

In Rouen der erste Halt;
doch die Freude legt sich bald,
Bus kann zum Hotel nicht finden,
muss sich durch die Gassen winden.
Außerdem hab’n die kein Essen,
uns hat man total vergessen!
Mussten in die Altstadt rein –
doch das sollte wohl so sein:
Nach den köstlichen Genüssen
eine Lighting-Show zum Küssen
taucht den Dom bewegt in Licht,
so was kannten wir noch nicht!
Für Johanna – hier verbrannt,
später Heilige genannt –
eine Kirche wie ein Schiff
gibt Erinn’rung letzten Schliff.
Fachwerkhäuser, Kathedrale,
Schritt auf Tritt nur Baudenkmale.
Pesthof, holzgeschnitztes Grau’n,
solchen Friedhof kann man schau’n.

Seine-Brücken hoch und groß
(besser als die Fähren bloß)
führen weiter nach Nordwesten.
Kurz Le Havre, was am besten
zeigt modernen Stadtbau pur:
klarste Linien, Fenster nur.

Wilfried lenkt mit ruh’ger Hand
unsern Bus durch Stadt und Land,
meistert alles an Problemen,
darf sich ab und zu mal grämen:
„Frankreich ist ein heik’les Pflaster,
Hecken überall und Laster,
Vorschrift hier, Verbote da:
Weiß ich alles, mach ich ja!“

Zwischenstopp dann in Honfleur,
ob der Schönheit hüpft das ‚cœur‘
Hafenstädtchens größter Stolz
Sankt Cathrinen – ganz aus Holz.

Nächster Morgen Saint-Malo:
„Weißt Du noch, Frau Tasiaux?“
Einstmals eine Inselstadt
rundum Festungsmauern satt,
graue Eminenz am Meer –
die Kulisse macht was her;
Bastionen dicht an dicht,
diese Siedlung schleift man nicht!
Reichste Hafenstadt vordem,
Kaperfahrten mit System;
nach dem Brand gebaut aus Stein,
stolz konnt‘ man als Bürger sein.

Landschaftsplaner Dirk (mit Schirm)
führt uns – in Geschichte firm.
Mit Histörchen, Anekdoten
bringt er uns die tollsten Schoten
über Mönche und Piraten,
Katze – explodiert, gebraten,
Blumenkohl, der Kinder bringt,
‚Pflaumenkönig‘, ‚Reine‘, die hinkt;
auf ‘nen Scherz folgt ein Bonmot,
„Übrigens, da ist ein Klo!“

Muschelessen in Cancale,
Austern gibt’s hier überall,
superfrisch und total lecker
(trifft nicht aller Leut‘ Geschmäcker).
Außer Muscheln gibt’s viel Fisch,
Crêpe, Galette kommt auf den Tisch,
Caramel mit ‚beurre salé,
croissant, jambon, pâté,
Kuttelwurst und Butterkuchen –
alles sollte man versuchen.
Cidre trinkt man hier aus Tassen,
vom ‚Lambic‘ nicht so die Massen.

Weit im Meer Mont-Saint-Michel
(Treibsandopfer gab’s dort schnell),
hochauf ragt der Klosterberg,
Menschlein fühlt sich wie ein Zwerg!
Technikleistung grandios:
„Ja, wie schafften die das bloß?
Schon allein das Steinehauen,
um die Mauern aufzubauen……“

Cap Fréhel mit seinen Türmen
weist den Schiffern Weg in Stürmen.
Raue Klippen, Stachelginster,
schroffe Schluchten drohen finster.

In Dinan, dem netten Städtchen,
fand sich leider gar kein Mädchen,
das den Häßlichsten gefreit,
den es gab hier weit und breit.

Nach Dinard - da ist gerade
Sportfest längs der Promenade;
Saint-Malo im Hintergrund,
das macht erst das Foto rund.

Landschaft – vielgestaltig, prächtig,
Felsenküsten steil und mächtig
aus Granit in allen Farben,
doch auch Strände sind zu haben,
Kilometer feiner Sand,
Badeorte wohlbekannt;
schönste Buchten – mal mit Meer,
mal bei Ebbe völlig leer.
Hinkelsteine und Menhire,
Hermelin als Wappentiere.
Allerorts Hortensien blüh’n
pink, blau, lila: farblich kühn,
Eichen stark geköpft, doch heiter
wachsen munter sie noch weiter.

Heute der Granit ist rosa,
herrlicher als jede Prosa
dies beschreiben kann mit Worten,
was wir sehen hier und dorten.
Ploumanac’h und Trégastel
solche Küste – oh,wie ‚belle‘!
Rund- und ausgespülte Formen,
die entgegen allen Normen
in der Luft zu schweben scheinen,
wenn auch aus granit’nen Steinen.
Krönung: Commissaire Dupin
klärt für die, die sehen fern,
gerade seinen letzten Mord
ausgerechnet hier am Ort.

Auf der Strecke nach Quimper
Giumiliau mit dem ‚calvaire‘ –
Kirche, Beinhaus, Eingangstor
staunend stehen wir davor.
Steinerner Figurenschmuck:
„Da, Geburt von Jesu, guck!“
Wunderbar ist dieser Ort,
tiefbeeindruckt fahr’n wir fort.

Freitagmorgen Locronan
voll im Nebel komm’n wir an.
Mittelalterstädchen pur,
alles alte Häuser nur,
wunderbare Filmkulissen,
jeder Dreh ein Leckerbissen.

Weiter zur Pointe de Pen-Hir
karge Heidelandschaft hier,
Kreuz als Mahnmal gegen Krieg
kündet von Gewalt und Sieg.

Bei der Stadt Douarnenez
Hafenstädtchen Camaret,
Schiffsfriedhof für alte Kähne
pittoresk die Hafenszene.

Fast Venedig ist Quimper,
diese Stadt macht etwas her,
dicht an dicht ganz viele Brücken,
die mit Blütenschmuck berücken.
Fachwerk völlig and’rer Art
als das heimische Format.
Kathedrale hat ‘nen Knick:
Liegt am Fundament, kein Trick!
Frühste Gotik, himmelstrebend,
Mensch in Ehrfurcht still erbebend.

Erst Bretagnes schönste Bucht,
unbeschreiblich, ist ‘ne Wucht
mit perfekten Surferwellen:
„Lass die Steine liegen, Ellen!“

Weiterfahrt zur Pointe du Raz,
hier wächst wenig mehr als Gras.
Finis terrae einst genannt
dieses Land am Weltenrand;
Frankreichs Ende ganz im Westen
(Wolfsbarschfischer sind die besten);
dreifach Leuchttürm‘ nötig sind,
dass zur Ile de Sein man find’t.

Concarneau – einst Inselland –
Fisch in Dosen man erfand,
für Sardinen war’n die Maße,
Altstadt hat nur eine Straße.

Künstlerdorf ist Pont-Aven,
richtungsweisend Paul Gauguin
Expression ist jetzt gefragt,
Farbe, die Gefühle sagt,
Malmotive: Mühlen, Brücken,
Steine, Flüsse, die entzücken.
Abends fahren wir nach Vannes,
fast fühlt man sich wie in Cannes.

Fährfahrt Golf von Morbihan
- leider heute ohne Sonn‘ -
zwischen Land und zwischen Meer,
hier fünf Inseln, da noch mehr,
Bäreninsel zieht vorbei,
Mäuseinsel sind gleich zwei.
Steinkreisreste halb im Meer –
wie gelangten die bloß her?
Drauf das einzig‘ Sonnenloch:
„Das bedeutet etwas, doch!“
Obelisk und Kirchturmspitze
eine Linie →Durchfahrtritze.
Bus in Locmariaquer,
Weg an Bucht gefällt uns sehr.

Tausende von Megalithen
hat für uns Carnac zu bieten.
Auf drei Feldern Hinkelsteine
vorne große, hinten kleine
aufgereiht fast linear –
doch, was stellt das Ganze dar?

Halbinsel von Quiberon,
wow, da donnern Wellen schon!
Riesig türmen sie sich auf,
spritzen bis zur Straße rauf.

Nachmittags zurück nach Vannes;
jeder macht das was er kann:
Manche bleiben in der Stadt,
and ‘re sehen Fische satt.

Rennes – Bretonencapitale
hat ‘ne alte Kathedrale,
wovon nur Fassade kündet,
Restliches in Abriss mündet.
Fachwerk birgt oft Brandgefahr,
neu bau’n musst‘ man Jahr für Jahr,
daher vieles dann aus Stein,
Parlament und Rathaus – fein!
U-Bahn hat nur eine Strecke,
schnellster Zug rast um die Ecke,
letztes Mal crêpe und café,
danach heißt es schon ade!

Eine Nacht noch in Paris,
dann verlassen wir auch dies.
Wilfried meistert den Verkehr:
„Wie in Hildesheim, nur mehr!“
Unaufhaltsam – zwar mit Pause -
nähern wir uns dem Zuhause.
Gruppenfoto muss noch sein:
„Komm nach vorne, du bist klein!“
‚Wunderbarer‘ Hintergrund,
ach, was soll’s, die Fahrt war rund.

Alles wohlorganisiert,
vieles klappte wie geschmiert;
Gruppe nett, die Stimmung heiter,
Christel dient als Blitzableiter.

Hoch die Tassen, hoch das Glas,
hatten wir doch unsern Spaß!
Freu’n uns auf die nächste Reise
in der altbewährten Weise.

Christel, Dirk und Wilfried - Dank!
Im Namen aller

von E.,M. Blank