Gedicht 2013: Normandie

Hin und wieder ist es wichtig
und wie immer völlig richtig,
dass man mit der Christel reist,
die uns neue Wege weist;
diesmal in die Normandie,
manches sah selbst sie noch nie!
Ziele auch bei den Bretonen,
lauter Orte, die sich lohnen.

Landstrich mit drei ‚C’s als Motto
(reimlich passt dazu nur Otto!) –
Calvados und Camenbert,
auch der Cidre schmeckt nach mehr;
Äpfel taugen nur zum Mosten,
das Ergebnis war zu kosten.
Jakobsmuscheln, Crêpes und Wein
gelten dort als Schlemmerei’n.
Kühe tragen „Brillen“ hier,
das zu sehen macht Plaisir.
Häuser aus Granitgestein,
dazu passt ein Reetdach fein.
Herrlich diese Blumenpracht,
die das Land hervorgebracht:
Hydrangeen und Päonien –
üppig wächst’s in „Baguettonien!

Auf der Fahrt – wie wunderbar –
Rudi wieder Fahrer war;
sanfter ‚Oberlenkungsrat‘
hat zu allen guten Draht.

Arras – erstes Ziel der Reise –
zeigt sich auf besond’re Weise:
Riesenplätze mit Arkaden,
die zum Einkaufsbummel laden,
Lighting-Show mit Mordsgedränge,
Atmen schwierig in der Menge.

Weiter geht’s nach Amiens,
Kathedrale très bien,
Riesenkirche, Gotik pur,
feinste Steinmetzarbeit nur.
(Hier verlor’n wir fast die Eine.
Brauchen wir ‘ne Führungsleine?)
Kleine Häuschen an der Somme
Führerin war ein Bonbon.

Mittagessen gibt’s nicht - Stau!
Doch die „Hilfskraft“ weiß genau:
Heiße Würstchen, Kaffee auch
hat der Bus in seinem Bauch;
und so kriegt – wer’s denn gern hätte –
Kaffee, Senf per Würstchenkette.

Am Atlantik das Plateau
nennt man jetzt das ‚Pays de Caux‘.
In Varengeville-sur-Mer
seh’n wir außer Meer noch mehr:
Wunderschöne Gartenpracht
hat es zum Juwel gemacht.

Busfahrt dauert manchmal lang,
doch zum Glück: „Toilettengang!“
Auf des Rastplatz‘ ödem Streifen
seh’n wir jemand um sich greifen:
„Wo sind Taschen in der Weste?
Die war’n doch das Allerbeste!“
Linksrum macht das keinen Sinn,
rechtsrum sind sie wieder drin!
Zum Palais Benediktine
geht’s am nächsten Morgen hin.
Reichtum durch den Kräutertrank –
ein Museum gibt’s zum Dank.
Der Likör weckt Schnapsgelüste
auf zur Alabasterküste!
Kiesel gibt’s wie Sand am Meer,
doch die Klippe macht was her,
Bögen, spitze Formation,
Kalkgestein und nicht aus Ton;
über‘n Pont de Normandie
solch ‘ne Brücke gab’s noch nie!

Wechsel Unterkunft Bayeux –
das ist wirklich doch die Höh‘;
dafür abends ganz famos
die Getränke kostenlos,
trinkt so viel die Leber fasst,
nun wird ordentlich geprasst!
(Calvados hieß „Kahle Hügel“,
uns verleih’n die Äpfel Flügel.)
Teppich ist die Reise wert,
zeigt uns Ritter, Kampf und Pferd,
erstes Comic – Bilderbuch
feinst gestickt auf Leinentuch.
‚Notre-Dame‘ in Stein gehau’n,
Leute, konnten die ‘was bau’n!
Erst Romanik – Kathedrale
flammend Gotik im Finale.
Eine Kirche ganz aus Holz –
darauf ist Honfleur sehr stolz.

Ernster wird der Donnerstag,
niemand sich recht freuen mag:
Kriegsgeschichte ohne Ende,
riesig großes Kampfgelände.
Klippenküste steil und rau,
keiner wusste so genau,
wo die Alliierten kamen
und das Land den Deutschen nahmen.
Bombentrichter dicht an dicht –
man begreift das Ganze nicht.
Kreuze abertausendmal
drückend mahnendes Fanal.

Weiter geht’s zum nächsten Ziel
zu dem Badeort Grandville:
Hier die Villa von Dior,
Roben, Hüte und noch ‚more‘,
Mode wie aus Zuckerguss –
War das Tragen ein Genuss?
Eins der Kleider ein Plumeau,
früher trug man das wohl so!
Bilder aus der Belle Époque
toppen jeden bunten Rock.

Höhepunkt im wahrsten Sinne:
Mont Michel bis hoch zur Zinne
Gottesburg, mit viel Kommerz,
Stufen klettern himmelwärts.
Uschis Führung grandios –
leider etwas seelenlos.

Insel Jersey, St. Helier
ist dem Kärntner sein Metier.
Kleiner Staat fast, eig’nes Land,
das ist manchem nicht bekannt.
Zollkontrolle, Pässe zeigen –
da ist Jersey ja ganz eigen;
keine Messer, keine Waffen,
klar, wir werden das schon schaffen!
Hübsche Häfen, Wasser satt
Boote später nur im Watt;
Felsenküste, Sonnenstrand –
jetzt noch Meer, bald nur noch Sand.
Hier nur Bestes auf der Welt,
gleich, ob’s allen so gefällt:
Schönste Kühe, bestes Eis,
‚Kingskartoffeln‘ zum Beweis,
die Hortensien groß wie Bälle,
Jerseylilien jede Stelle.
Beste Butter, beste Sahne,
Maulwurf, Schafe – ach, ich ahne:
Ob im Osten Süden, Westen
alles ist hier nur vom Besten!
Geht’s nach Frankreich dann retour
nochmal Grenzen- Prozedur:
Zollkontrolle……

Ankunft spät erst in der Nacht
- bloß ins Bett! hab’n wir gedacht.
Schlüsselkarte passt nicht mehr,
„Wo kommt Männerstimme her?“
Huch, ein fremder Mann im Bett,
Gretel fand das gar nicht nett!

St-Malo nun wiederum
zeigte uns der Dirk rundum,
flotte Sprüche, großes Wissen,
fröhlich, witzig, auch gerissen:
Weißt du’s nicht? Hast du noch Fragen?
Keine Angst, der Dirk wird’s sagen!
Oft kommt: „Später sag ich’s dann.“,
auch: „In meinem Buch kommt’s dran:“;
über Herzog, Königin
bis zur Reineclaude hin;
Forstmann tritt in’n Adelsstand
„Pflaumenkönig“ jetzt genannt.
Reichtum Gold und Diamanten
heimgebracht in Schiffes Wanten.
St-Malo war abgebrannt
durch der Pharmazeutin Hand;
ob Korsar, gesprengte Katze –
‘s Mittelalter zeigt die Fratze.

Noch in die Bretagne weiter
nach Dinan zum tollen Reiter,
Strände, Küsten zum Verlieben,
mancher ist schon hiergeblieben.

Als wir St-Malo verlassen,
fällt der Regen in den Gassen;
doch im Bus, da ist’s ja trocken,
deshalb kann uns das nicht schocken.

Reims ist nun der letzte Ort,
Dienstag reist man wieder fort.
Vorher noch zur Kathedrale,
König – Krönungs – Kapitale,
Gotik hier in Reinkultur:
Bögen, Streben, Bildwerk pur!

Jetzt, zu guter Letzt der Schluss,
weil das Ende kommen muss:
Wie Franzosen St-Malo,
wie das Federbett der Floh,
wie der Mops den Paletot
lieben wir die Frau Tasiaux!

Für die Reise vielen Dank
sagen Ellen, Manfred Blank.

von E.,M. Blank